Sonntag, 8. Februar 2015

Kokon aus Stahlbeton - Ein Hörspiel nach der Drehbuchvorlage des Autors Marcus Micksch

Produktion: Hörspiel Ad Hoc 
Buch: Marcus Micksch
Hörspielbearbeitung: Marie Wesche
Sprecher: Robert Lang, Sophia Vogel, Günter Szynkarek, Marcus Micksch, u.a.
Regie: Marie Wesche
Ton/Sounddesign: Reinhard Frye

Musik: Jan Schroeder, Marcus Micksch 
Laufzeit: Etwa 60 Minuten








Kokon aus Stahlbeton erzählt die Geschichte von zwei Musikern. Robert und Oliver lieben Musik über alles, auch wenn sie nicht davon leben können und daher noch einen anderen Job haben. In ihrer Freizeit leben sie für ihre Musik und sie haben das Glück, einen ganz besonderen Probenraum zu haben. Engelbert, ein alter Mann, lässt sie in seinem Bunker proben. Als es während einer ihrer Proben zu einem atomaren Anschlag kommt, sind sie auf einmal gefangen in diesem Bunker. Hier haben sie alles, was man zum Leben braucht. Aber was passiert, wenn man monatelang auf engen Raum eingesperrt ist?

„Kokon aus Stahlbeton“ ist ein unglaublich atmosphärisches Hörspiel, das mich gleich in seinen Bann gezogen hat. Es passiert nicht wirklich viel, wie auch, spielt es doch fast die gesamte Zeit in einem kleinen Bunker. Aber auch wenn es wenig Action gibt, keine Bewegung, in den Figuren passiert  dafür umso mehr.

Man beobachtet Robert und Oliver, verfolgt fasziniert ihr Verhalten in dieser Extremsituation. Engelbert hatte immer Angst vor einer atomaren Katastrophe und hat deshalb bereits 1960 den Bunker für sich und seine Frau gebaut. Er hat dabei an alles gedacht. Tageslicht über eine Spiegelkonstruktion, Anlagen zum Filtern von Wasser und Luft, UV-Lampen, ein Gewächshaus für Nahrung, Konserven, Bücher, Sportgeräte, mit denen man notfalls, sollte der Treibstoff ausgehen, den Generator betreiben kann, es fehlt einem wirklich an nichts. Außer an Freiheit und Beschäftigung. Robert und Oliver, die zusammen mit einer Katze im Bunker festsitzen, kommen erst ganz gut mit der Situation klar. Sie haben alles, was sie brauchen, und statt langweiliger Jobs können sie endlich machen, was sie immer wollten: Musik, und das den ganzen Tag lang. Doch je länger sie im Bunker gefangen sind, desto mehr kippt die Stimmung.

Wie alles ausgeht, das müsst ihr selbst herausfinden, hört einfach dieses Hörspiel. Mich hat es beeindruckt und bewegt. Es vermittelt eine sehr beklemmende Stimmung. Neben dem Setting an sich wird diese Stimmung durch die Geräuschkulisse und die Musik, die von den Protagonisten im Bunker gemacht wird und immer wieder zu hören ist, wunderbar transportiert.

Mich hat das Hörspiel wirklich fasziniert. Ich gestehe, ich wäre wohl schon nach kurzer Zeit wahnsinnig geworden in einem Bunker, empfinde ich seit einem Besuch der letzten aktiven Eisenerzmine Europas doch schnell ein Gefühl der Beklemmung, wenn ich unter der Erde eingeschlossen bin. Ich kann Oliver und Robert da wirklich nur bewundern, wie sie die Zeit im Bunker meistern. Aber irgendwann nagt das Eingesperrt sein wohl an jedem, und was dann passiert, ja, das ist hier wirklich eindrucksvoll und realistisch beschrieben.
Ein bemerkenswertes Hörspiel, das mich mit seiner beklemmenden Atmosphäre und der realistischen Figurenentwicklung begeistern konnte. Ein Hörspiel, das mich wirklich bewegt hat und das ich jedem empfehlen mag, der sich auf ein besonderes, wenn auch ziemlich bedrückendes  Hörerlebnis einlassen möchte.

Ich bin gespannt auf weitere Werke aus der Feder von Marcus Micksch und werde ihn und die Produktionen des Hörspiellabels Ad Hoc auf jeden Fall weiter verfolgen. 


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