Dienstag, 18. August 2015

Brigitte Janson – Holunderherzen

Brigitte Janson – Holunderherzen
  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch 
  • ISBN-13: 978-3548612874














Als Anne sich mal wieder von einem Mann getrennt hat und sich in Liebeskummer suhlt, tritt ihre Tante Tilly in ihr Leben. Bisher hatte sie kaum Kontakt zu der resoluten 70jährigen, aber jetzt überzeugt diese Anne davon, dass sie eine Auszeit braucht. Und sehr zum Entsetzen ihrer Eltern verlässt Anne tatsächlich ihren gut laufenden Partyservice in Hamburg und zieht zu ihrer Tante in die Lübecker Bucht. Die lebt dort ganz allein in einem Wohnwagen auf einem verwilderten Grundstück, nachdem alle ihre Mitbewohner, mit denen sie einen Öko-Hof aufbauen wollt,e geflüchtet sind.
Anne hat zwar etwas Startschwierigkeiten, aber sie beschließt sich durchzubeißen und zu bleiben. Und so blickt sie immer tiefer hinter die Fassade der immer öfter zerstreu wirkenden Tilly, findet eine Freundin in der Tochter des Landarztes und versucht vergeblich, sich in eben diesen nicht zu verlieben.
Was Anne vorher nicht für möglich gehalten hätte: Sie fängt an, das Leben in dem kleinen Dorf zu lieben und für eine Existenz dort zu kämpfen. Dabei werden ihr aber einige Hindernisse in den Weg gelegt und so manches Missverständnis muss aufgeklärt werden. Wird das gelingen?

In Winterapfelgarten hatte Brigitte Janson bereits bewiesen, dass sie ernste und doch irgendwie leichtfüßige schöne Geschichten rund um die Liebe und das Leben schreiben kann. Auch die Holunderherzen gehen in diese Richtung, sind deutlich ernster als ihre unter Brigitte Kanitz erschienenen Werke. Ja, tatsächlich kamen die Holunderherzen mir noch einmal trauriger und schwerer vor als die Winteräpfel. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie mich nicht ganz so sehr begeistern konnten. Was nicht heißt, dass sie schlecht waren, das trifft nun wirklich nicht zu. Der Winterapfelgarten hat mir nur ein kleines bisschen besser gefallen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Thema Demenz in diesem Buch immer wieder eine Rolle spielt, und da dieses Thema auch in meiner unmittelbaren Umgebung gerade auftritt, konnte ich die Geschichte einfach nicht so unbeschwert genießen und wurde an eigene Probleme  erinnert. Das macht das Buch nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Es hat mich zum Nachdenken angeregt und ziemlich traurig zurückgelassen. Wer Happy Ends mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten (auch wenn es nicht wirklich ein trauriges Ende ist). Wer eine leichte Sommerlektüre sucht, der ist hier falsch und sollte lieber zu den unter Brigitte Kanitz erschienenen Büchern der Autorin greifen. Wer aber ein tiefgängiges zum Nachdenken anregendes Buch sucht und sich an langen Herbstabenden gerne an die Ostseeküste zu voller Früchte hängenden Holunderbüschen träumen will, der sollte zugreifen.

Mich haben die Holunderherzen berührt und ich freue mich schon jetzt auf weitere Bücher der Autorin mit ernstem Unterton. Aber natürlich freue ich mich auch auf die lustig leichten Romane, von denen noch zwei ungelesen hier auf mich warten und die ich euch dann auch bald vorstellen werde.

Brigitte Janson hat mit Holunderherzen wieder einmal bewiesen, wie gut sie schreiben kann und wie vielfältig ihre Geschichten sind!

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