Donnerstag, 31. März 2016

Rieke Schermer - Liebe wie gedruckt



Rieke Schermer -  Liebe wie gedruckt












Nach dem Tod ihrer Eltern steht Hannah ganz alleine da. Neben der Trauer hat die vor allem ein Problem. Sie, die leidenschaftliche Bäckerin, darf die Familienbäckerei auf Hiddensee nicht weiterführen. Denn sie hat keinen Meister, ja nicht einmal eine Ausbildung. Einen Meister zu finden, ist gar nicht so einfach. Und auch als das geschehen ist und Hannah ihren großen Traum – Hochzeitstorten backen – ausleben kann, wird das Leben nicht wirklich einfacher. Was niemand ihrer Freunde und Angestellten weiß – sie ist Analphabetin. Und dies zu verstecken wird immer schwieriger. Vor allem, als dann noch ihre Jugendliebe wieder auf der Insel auftaucht.

Der Roman entführt den Leser an die Ostsee, genauergesagt auf die Insel Hiddensee. So bekommt man Urlaubsstimmung und eine Liebesgeschichte in einem. Die Geschichte rund um Hannah ist dabei wunderschön, wenn auch manchmal etwas langatmig. Hannah dreht sich immer wieder im Kreis, läuft ihren Problemen davon und steht nicht zu sich selbst. Das hat mich zwischenzeitlich beim Lesen etwas genervt, aber immer nur kurz. Denn die Geschichte ist insgesamt einfach zu schön, um genervt zu sein. Hannah ist feinfühlig und liebenswert, und der Roman besticht durch seine ruhigen Töne. Ich habe es wirklich genossen, Hannah zu begleiten, und vor allem die Szenen am Strand und alle Begegnungen mit den zwei Kindern, die in dem Buch eine Rolle spielen, geliebt. Der Junge mit den traurigen Augen, der immer in die Bäckerei kommt, hat nicht nur Hannahs Herz im Sturm erobert. Und die kleine Tochter ihrer Freundin ist einfach ein zauberhafter Wildfang.

Das Thema Analphabetismus fand ich wirklich spannend. Als Leseratte ist das ja etwas, das für mich nicht wirklich vorstellbar ist. Ich wurde also in eine ganz fremde Welt entführt und habe immer wieder gestaunt, wie man sich auch ohne Lesen und Schreiben durch den Alltag manövrieren kann.

Wer eine ruhige Geschichte zum Träumen und Nachdenken sucht, der ist hier genau richtig.

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