Freitag, 20. Mai 2016

Karen Bojsen – Im Herzen das Meer


Karen Bojsen – Im Herzen das Meer

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag
  • ISBN-13: 978-3453359031













Viele Jahre war Lumme Hansen nicht mehr in ihrer alten Heimat, einer kleinen Nordseeinsel. Doch jetzt ist die Meeresbiologin zurück. Während Mann und Sohn in Amerika geblieben sind, leitet sie für ein Jahr das Inselaquarium und steht nach dem Tod ihrer Mutter ihrem Vater zur Seite. Der leitet eine kleine Pension. Nicht besonders erfolgreich, denn die Pension müsste renoviert werden und die Touristen werden sowieso immer weniger. Mehr Geld erhofft sich die ganze Insel durch den Bau eines Offshore-Windparks. Die einzige, die davon nicht begeistert zu sein scheint, ist Lumme. Sie hat Angst um die Natur, um das empfindliche Ökosystem Felswatt, um die Fische und Vögel. Als ihr Kollege ein seltenes Seepferdchen vor der Küste findet, beginnt ein Kampf gegen die Windkraft, mit dem Lumme auf einmal die ganze Insel gegen sich aufbringt. Und als sei das nicht genug, holt sie plötzlich die Vergangenheit ein. Sie ist damals nicht ohne Grund von der Insel geflohen. Der Eisklotz, in dem sie ihre Gefühle damals in ihrem Inneren verschlossen hat, beginnt zu bröckeln.

Als ich die Vorschau für das Buch sah, war ich gleich neugierig. Ich liebe die Nordsee, und auf dem Buchrücken wird die Geschichte mit „Eine Liebeserklärung an die Insel und ein Roman wie Urlaub am Meer“ beworben. Ich vermutete daher eine leichte Sommerlektüre voller Strand und guter Laune. Bekommen habe ich allerdings etwas viel ernsteres und tiefgründigeres.

Ja, die Liebe für die Nordsee im Allgemeinen und Helgoland im Speziellen (die Insel, auf der die Geschichte spielt, ist fiktiv, aber Helgoland nachempfunden), ist auf jeder Seite zu spüren. Und auch Liebe spielt in dem Buch durchaus eine Rolle. Aber doch ist es kein klassischer Sommerroman. Er bietet so viel mehr, informiert über die Umweltschutzprobleme auf Helgoland, regt zum Nachdenken an und besticht durch vielschichtige Personen.

Lumme habe ich gleich in mein Herz geschlossen. Sie wirkt zwar manchmal etwas gefühlskalt, aber im Laufe der Geschichte versteht man warum. Und sie setzt sich voller Idealismus für die Insel und ihre Natur ein. Das Buch ist ein Plädoyer für Umwelt- und Artenschutz. Man erfährt einiges über das Hummerzuchtprogramm auf Helgoland, und über Argumente pro und contra Windkraft. Die Probleme der Insel werden einfühlsam dargestellt und regen zum Nachdenken an. Eigentlich ist Windkraft etwas Gutes, doch was hilft sie, wenn sie genau das zerstört, das sie schützen soll, die Natur. Und vor Helgoland ist diese eben ganz besonders und einzigartig.

Nach der Lektüre des Romans bereue ich, dass ich es bisher nie auf die Insel geschafft habe. Das sollte ich wirklich einmal ändern! Und auch über eine Hummerpatenschaft denke ich nach.

Das Buch hat mich also wirklich zum Nachdenken gebracht aber auch sehr gut unterhalten.
Eine interessante Geschichte, tiefgründig, lehrreich und gleichzeitig unterhaltsam!


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